Games gegen Diabetes & Schizophrenie

Können Spiele gegen Diabetes und Schizophrenie helfen? Klinische Tests scheinen das zu belegen. Infos zu Computerspielen.

Computerspiele werden oft als schädlich angesehen. Da gibt es das Cliché vom Computer-Nerd, der blass und picklig an der Konsole klebt, da wird vor Suchtgefahr und zu wenig körperlicher Betätigung gewarnt. Besonders verrufen sind die Ego-Shooter, die allein auf den Killerinstinkt des Spielers gerichtet zu sein scheinen. Ganz im Gegensatz dazu beschäftigt sich die Wissenschaft nun aber mit den positiven Auswirkungen und Möglichkeiten von Computerspielen.

Bessere Lebensqualität für Diabetiker

Das Westdeutsche Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ) testete mit 220 Diabetes-Patienten, wie sich das spielerische Training mit der Wii Fit Plus auf deren Gesundheit auswirkte. Drei Monate lang sollten die Probanden täglich mit der Wii von Nintendo trainieren. Anschließend wurden die Ergebnisse mit einer zweiten Testgruppe kontrolliert. Das Ergebnis war, dass die Probanden bessere Blutwerte erzielten und an Gewicht verloren. Diabetiker müssen sich ausreichend bewegen, damit das Insulin besser verarbeitet werden kann. Sport- und Fitnessspiele helfen dabei, aktiver zu werden. Bei den Probanden, die die Studie über durchhielten, verbesserten sich die HbA1c-Werte und sie fühlten sich insgesamt wohler. Allerdings zeigte sich auch, dass das Durchhaltevermögen bei vielen Probanden nicht groß genug war, um das tägliche Training wirklich immer durchzuführen. So ist die positive Wirkung stark von der Person selbst abhängig. Insgesamt können derartige Computerspiele aber helfen, dass Diabetiker auf diese Weise regelmäßige Sportübungen in ihren Tagesablauf integrieren.

Computerspiele gegen Angst und Schizophrenie

Auch im psychologischen Bereich können Computerspiele heilsam wirken. So ist das Spiel „Nevermind“ auf Menschen mit Angstattacken ausgerichtet. Ängste können das Leben stark beeinflussen und zu Handlungsunfähigkeit oder Panikreaktionen führen. Das Spiel soll helfen, auch in extremen Situationen gelassen zu bleiben. Dazu passt sich der Schwierigkeitsgrad dem Spieler an. Desto ängstlicher der Spieler agiert, desto schwieriger wird es. Agiert er gelassen, dann wird es einfacher. Ziel ist es, diese Erfahrungen auch auf das reale Leben übertragen zu können.

Auch bei Schizophrenie-Patienten testet man zur Zeit den Einfluss von Computerspielen. Diese Patienten leiden unter Störungen der Wahrnehmung, die ihr ganzes Leben bestimmen. Auch wenn bis heute noch nicht geklärt ist, was die Ursache für diese Erkrankung ist, so weiß man heute, dass sich der Hippocampus verkleinert und die Aktivitäten in bestimmten Hirnregionen nachlassen. Mit Computerspielen versucht man, diese Hirnbereiche zu trainieren, um deren Funktion zu stimulieren. Die US-amerikanische Psychiaterin Sophia Vinogradov präsentierte im November 2013 das Computerspiel „Cognitive Training“ in Berlin. Spielerisch trainieren die Patienten Gehirnleistungen, die ihnen schwer fallen. So müssen sie etwa Geräusche und Gesichter richtig zuordnen und trainieren das Erinnerungsvermögen. Die ersten Studienergebnisse zeigten bisher durchweg positive Auswirkungen. Obwohl die Krankheit an sich nicht heilbar ist, konnten die Symptome stark vermindert werden und verschwanden bei einigen Patienten nahezu völlig.

Forschung: Ergebnisse?

Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen, aber erste Ergebnisse lassen einiges erwarten. Und selbst die berüchtigten Ego-Shooter haben offenbar positive Auswirkungen auf die Reflexe und die Konzentrationsfähigkeit. Programme zum Gehirntraining machen Spaß und helfen auch gesunden Menschen, Konzentration und Erinnerungsvermögen zu verbessern.