Essstörungen: Hinweise für Angehörige von Essgestörten

Angehörige sollten der Betroffen bzw. dem Betroffenen behutsam und in ruhiger Atmosphäre mitteilen, dass sie sich Sorgen machen und vermuten, dass eine Essstörung vorliegen könnte.

Falls die Familie oder auch enge Freunde die Vermutung haben, dass ein Familienmitglied oder eine Freundin bzw. ein Freund unter einer Essstörung wie Bulimie, Anorexie oder Binge eating (Essanfälle ohne Erbrechen) leidet, sollten sie auf jeden Fall nicht weg sehen.

Da es ein hochsensibles Thema ist und viele Betroffene es sich selbst nicht eingestehen wollen oder es zwar schon realisiert haben, aber unter keinen Umständen wollen, dass es andere mit bekommen, kann es sein, dass die Essstörung erst mal runter gespielt oder abgestritten wird. Dennoch sollten Personen mit dem Verdacht einer Störung des Essverhaltens dazu motiviert werden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Was können Angehörige konkret bei einer Essstörung von Angehörigen tun?

Das wichtigste, wie schon erwähnt, auf keinen Fall weg sehen. Es ist auf jeden sinnvoll, sich Hilfe bzw. Rat bei erfahrenen Psychologen oder Therapeuten zu holen, wie man sich am besten in einer solchen schwierigen Situation verhalten soll. Um Kontaktstellen bzw. Beratungsstellen zu finden, kann auch zunächst mal der Hausarzt um Rat gefragt werden. Fakt ist, das bei einer Essstörung dringend psychologische Hilfe nötig ist und das Betroffene sich nicht selbst helfen können. Inwiefern ein Klinikaufenthalt angezeigt ist bzw. wann eine ambulante Therapie ausreichend ist, ist von Fall zu Fall verschieden. Grundlage ist, dass sich Betroffene von Magersucht, Ess-Brucht-Sucht oder Fressanfällen helfen lassen wollen. So lange sie sich das Problem nicht eingestehen bzw. es verdrängen, kann keine Therapie greifen. Leider dauert es oft Jahre, bis Betroffene bereit sind, Hilfe anzunehmen und je länger sich die Essstörung manifestiert hat, desto schwieriger wird es, von außen zu helfen. Nicht selten muss der Leidensdruck so groß werden, dass Betroffene zusammen brechen und keinen anderen Ausweg mehr sehen.

Wie sollte man sich verhalten, wenn eine Essstörung diagnostiziert wurde?

Erst einmal sollten Angehörige die Krankheit akzeptieren und nicht nach Schuldigen suchen. Auch wenn die Familie meistens direkt in die Krankheitsentstehung involviert ist, sollte kein Schuldiger gesucht werden. Häufig macht es allerdings Sinn, die ganze Familie mit in die Therapie einzubeziehen, um Muster aufzudecken und neue Verhaltensstrategien zu erlernen. Auf keinen Fall sollte das Thema Essen, Gewicht und Sorgen permanent angesprochen werden, sondern es sollten konkrete Vereinbarungen und Absprachen, am besten im Rahmen einer Therapie, gemacht werden. Zum Beispiel dass die Betroffenen eigenverantwortlich handeln und Kommentare wie „ heute hast Du aber mal Appetit“ usw. sind nicht empfehlenswert. Bei Unsicherheit, welches Verhalten in schwierigen Situationen, zum Beispiel bei einem Familienfest mit Essen, richtig ist, unbedingt Hilfe von außen suchen. Und wie schon erwähnt, Schuldgefühle bringen weder Betroffenen noch den Angehörigen etwas, sondern verlagern den Fokus in einen negativen Bereich. Es gilt, Vertrauen zu haben, dass die Krankheit überwunden werden kann und auch loszulassen, um Erkrankten ihren Weg zur Heilung zu ermöglichen.